Man muss nicht erst am Boden liegen, um ernst genommen zu werden
Psychologisches Coaching | Psychotherapie | Fortbildungen
Es gibt einen Satz, den ich in meiner Arbeit immer wieder sage. Manchmal am Anfang eines ersten Gesprächs, manchmal erst nach Wochen: Sie müssen nicht erst am Boden liegen, um ernst genommen zu werden.
Fast jedes Mal folgt eine kurze Stille. Dann kommt oft ein Satz wie: Aber es geht mir doch eigentlich gut. Ich funktioniere ja.
Genau das ist der Punkt.
Viele Menschen, die zu mir kommen, funktionieren erstaunlich gut. Sie stehen morgens auf, gehen zur Arbeit, kümmern sich um ihre Familie, halten Termine ein. Von außen betrachtet fehlt nichts. Und doch spüren sie: etwas trägt nicht mehr. Etwas in ihnen ist müde geworden, lange bevor der Alltag einbricht.
Ich glaube, wir haben gelernt, Leid an äußeren Zeichen zu erkennen. Tränen, Ausfälle, ein Zusammenbruch am Küchentisch. Was keine äußeren Spuren hinterlässt, gilt schnell als nicht schlimm genug. Als etwas, das man noch aushalten kann, solange der Alltag irgendwie weiterläuft.
Aber Funktionieren ist kein Beweis für Gesundheit. Es ist oft nur der Beweis, wie gut ein Mensch gelernt hat, seine eigenen Signale zu überhören.
Ich unterscheide dabei zwei Dinge, die im Alltag gern verwechselt werden: am Boden liegen und zusammenbrechen. Am Boden liegen bedeutet für mich, dass jemand die Fähigkeit verloren hat, seinen Alltag selbst zu tragen. Zusammenbrechen kann etwas ganz anderes sein: ein Moment, in dem jemand in einer sicheren, gehaltenen Beziehung endlich aufhören darf, alles allein zu tragen. Das eine ist häufig nahezu unaushaltbare Not, scheinbar ohne Ausweg. Das andere kann der Wendepunkt und Anfang von etwas Neuem sein.
Die meisten Menschen, die zu mir kommen, haben noch nicht das Erste erlebt. Sie sind auf der Kippe. Sie merken, dass die bisherigen Antworten nicht mehr tragen, haben aber noch die Kraft, etwas zu verändern, wenn ihnen jemand zeigt, dass es sich lohnt.
Genau da beginnt für mich Begleitung. Nicht erst, wenn nichts mehr geht. Sondern dort, wo ein Mensch beginnt, nach sich selbst zu rufen, auch wenn diese Stimme von außen kaum zu hören ist.
Wer wartet, bis er wirklich nicht mehr kann, hat oft schon sehr lange gewartet. Ich möchte Menschen einladen, sich früher ernst zu nehmen, auch wenn sie noch stehen können, auch wenn nichts von außen dramatisch aussieht. Sie sind es wert, gesehen zu werden, bevor sie fallen.
Die Kriterien des Qualitätssiegels Psychologin BDP sichern hohe Kompetenz und ethische Haltung.
Sie möchten Kontakt aufnehmen?
Kontakt aufnehmen