Was Heilung für mich bedeutet

Wenn Menschen zu mir kommen, fragen sie oft, direkt oder unausgesprochen: Werde ich das wieder los? Und vor allem: Wie werde ich das wieder los? Der Schmerz, die Angst, die Erinnerung, das Gefühl, nicht richtig zu funktionieren.

Ich verstehe diese Frage. Und ich kann sie nicht so beantworten, wie sie gemeint ist.

Heilung ist ein schwieriges Wort, denn darin verbirgt sich ein Ziel, das den aktuellen Status quo als krank bewertet. Wenn ich von Heilung spreche, dann ist damit selten das Verschwinden von etwas gemeint. Öfter ist Heilung für mich sogar das Gegenteil, nämlich, dass etwas endlich da sein darf, ohne dass es abgewehrt werden muss. Zum Beispiel ein Gefühl, das jahre- oder jahrzehntelang unterdrückt wurde. Eine Erinnerung, die niemand hören wollte, die innerlich verboten war. Ein Bedürfnis, das als zu viel galt.

Ich habe gelernt, Heilung nicht an Symptomfreiheit zu messen. Wir Menschen tragen unsere Verletzungen unser ganzes Leben mit uns, und sobald wir uns ihnen zuwenden, wird etwas anders, als es vorher war. Der Schmerz ist meist nicht komplett verschwunden. Aber er steckt nicht mehr fest, er ist in den Fluss des Lebens zurückgekehrt und kann wieder abfließen. Und was womöglich das Wichtigere ist: Der Schmerz ist nicht mehr das Hervorstechendste, was wir über uns wissen, worauf sich unsere Aufmerksamkeit vor allem richtet.

Für mich ist der eigentliche Maßstab: Kontakt. Kontakt zu sich selbst, zum eigenen Körper, zu den eigenen Gefühlen, zu anderen Menschen. Wer wieder in Kontakt kommt, merkt oft zuerst gar nicht die Abwesenheit von Symptomen, sondern die Anwesenheit von etwas Lebendigem: mehr Neugier, mehr Freude, mehr Tiefe und die Lust, das eigene Leben wieder selbst zu gestalten.

Ich kann diesen Kontakt nicht herstellen. Ich kann nur einen Raum mitgestalten, in dem Kontakt und Begegnung möglich werden: mit Offenheit in der Begegnung und mit meiner eigenen Angstfreiheit. Was daraus entsteht, entscheidet nicht die Methode. Es entscheidet die Beziehung und das Quentchen Mut, das es braucht.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Reparieren und Heilen. Reparieren stellt den alten Zustand wieder her. Heilen macht etwas Neues möglich, das vorher nicht wahrnehmbar war. Die alte Verletzung wird vielleicht bleiben, aber der Schmerz überwältigt nicht mehr, denn zur Heilung kommt etwas Wesentliches hinzu. Mehr kann man nicht erklären, nur einladen, es selbst zu entdecken.

Wenn dieses Thema bei Ihnen etwas anklingen lässt, schreiben Sie mir gerne.

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